Selbstzeugnisse der frühen Neuzeit
in der Herzog August Bibliothek

Editionsrichtlinien

Die folgenden Richtlinien gelten allgemein für die fünf im Projekt "Grand Tour digital" edierten Texte. Etwaige Besonderheiten zu den einzelnen Texten werden in den entsprechenden Einleitungstexten erläutert. Grundsätzlich orientieren sich die Editionsrichtlinien an den „Empfehlungen zur Edition von frühneuzeitlichen Texten” des Arbeitskreises „Editionsprobleme der Frühen Neuzeit” sowie Editionsrichtlinien, die sich in anderen digitalen Editionsprojekten an der Herzog August Bibliothek bewährt haben.1 Dabei werden wie in jeder kritischen digitalen Edition sowohl philologische Genauigkeit in der Textwiedergabe als auch Lesbarkeit und Verständlichkeit berücksichtigt. Zudem stellen die Editionsrichtlinien einen Kompromis einer möglichst umfassenden Bearbeitung und Kodierung der transkribierten Texte und dem zeitlich Machbaren dar. Dabei musste insbesondere auch den eingesetzten Methoden der Handschriftenerkennung und der Named Entity Recognition Rechnung getragen werden, durch die sich die Editionstätigkeit nicht zwingend beschleunigt, aber in jedem Fall verändert.2

1. Transkription

Die Transkription erfolgt möglichst zeichengenau. Normalisiert wird lediglich das lange 's' und einheitlich als rundes 's' geschrieben. Dagegen blieben 'v' und 'j' für 'u' bzw. 'i' erhalten. Groß- und Kleinschreibung folgen ebenfalls der Vorlage, in uneindeutigen Fällen wird außer bei Eigennamen oder davon abgeleiteten Adjektiven der Kleinschreibung der Vorzug gegeben. Auch sämtliche Ligaturen, Kürzungszeichen und Abkürzungen blieben erhalten. Dabei werden heute unübliche Kürzungszeichen (z. B. '-ꝯ' für die Endung '-us') durch einen Tooltip aufgelöst, Abkürzungen dagegen nicht. Ebenso wird die Interpunktion so wie in der Vorlage wiedergegeben. Lediglich bei Worttrennungen am Zeilenende wird, um Missverständnisse zu vermeiden, einheitlich der Bindestrich benutzt, auch wenn in der Vorlage Doppelstriche stehen oder die Worttrennung gar nicht markiert wird.

Um die parallele Lektüre mit dem digitalen Faksimile zu erleichtern, werden die ursprünglichen Seitenwechsel samt Paginierung in der Edition vermerkt und die Images über Links eingebunden. Die Seitenstruktur der Vorlage wird zeilengenau wiedergegeben, soweit dies graphisch möglich ist. Im Original vorhandene Verbesserungen, Einfügungen und Hervorhebungen werden in den Editionstext integriert und entsprechend markiert. Ist die Wiedergabe solcher Passagen im laufenden Text graphisch unmöglich oder aus anderen Gründen nicht zu rechtfertigen, erscheinen sie im Textapparat (s. u.). Ergänzungen sind in der Ausgabe durch einfache spitze Klammern dargestellt. Streichungen werden transkribiert und als gestrichener Text markiert.

In Einzelfällen notwendige Texteingriffe durch die BearbeiterInnen werden durch eckige Klammern markiert. Unsichere Lesungen werden durch ein mit eckigen Klammern versehenes Fragezeichen „[?]”, technisch nicht darstellbare sowie unlesbare oder verlorene Textteile, die nicht mehr rekonstruierbar sind, durch Auslassungspunkte „[…]” kenntlich gemacht. Letztere erläutert – wenn nötig – der Textapparat. Bei (vermeintlich) korrupten, ungewöhnlichen oder missverständlichen Wortansetzungen sowie Schreibfehlern wird die originalgetreue Textwiedergabe durch ein in eckige Klammern gesetztes Ausrufungszeichen „[!]” bestätigt und über einen Tooltip die richtige Schreibung angegeben. Gegebenenfalls werden die entsprechenden Stellen im Textapparat kommentiert. Konjekturen (etwa bei Papierschäden, Tintenflecken, Buchstaben- oder Textverlust im Falz oder im Fall unleserlicher Verbesserungen) werden ebenfalls in eckige Klammern gesetzt.

2. Textapparat und Kommentare

Zur inhaltlichen und philologischen Erläuterung des Textes gibt es zwei Anmerkungsapparate. Der Textapparat dokumentiert alle Textphänomene, die sich durch die oben dargelegten Darstellungsmittel nicht abbilden lassen. Desweiteren gibt er bei mehreren Textzeugen Auskunft über etwaige Textvarianten, wobei nicht alle, oft nur durch die orthographischen Eigenheiten der Schreibenden bedingten, Abweichungen dokumentiert werden, sondern nur solche, die inhaltlich oder textkritisch signifikant sind.3

Zur inhaltlichen Kommentierung der Texte gibt es zusätzlich zum Textapparat Sachanmerkungen, die notwendige Wort- und Sacherklärungen sowie Nachweise von Zitaten oder in den Texten erwähnten Werken. Ergänzt werden diese Anmerkungen durch Tooltips und Verlinkungen im Text, die Personen, Orte und Körperschaften auflösen und, falls vorhanden, mit Normdaten (bei Personen und Körperschaften GND, VIAF oder Wikidata; bei Orten GeoNames) verlinken. Sollten keine Normdaten vorliegen, gibt ein kurzer Kommentar notwendige Informationen zur jeweiligen Entität wieder.

3. Register und Itinerare

Die iin den edierten Texten erwähnten Personen, Orte und Körperschaften werden in drei separaten Registern erfasst, mit Normdaten verlinkt (s. o.) und gesondert nach Texten seitengenau nachgewiesen. Dabei werden auch von Entitäten abgeleitete Adjektive berücksichtigt. In den Registern sind ferner die Autoren und bereisten Länder der nicht edierten, aber digitalisierten und mit Kurzbeschreibungen erschlossenen Texte enthalten und mit diesen verknüpft.

Zusätzlich zu den Registern visualisieren tabellarische und kartographische Itinerare die Reiserouten in den edierten Texten und machen sie taggenau nachvollziehbar. Die Kartendarstellung berücksichtigt dabei sowohl moderne als auch historische Karten.


Anmerkungen
1 Vgl. besonders Editionsrichtlinien, in: Alexander Zirr / Andreas Herz / Jan-Hendrik Hütten / Miriam Mulzer (Hg.): Digitale Edition der Tagebücher von Herzog Ludwig Rudolf und Herzogin Christine Luise von Braunschweig-Wolfenbüttel, Wolfenbüttel 2019-2022. URL: http://selbstzeugnisse.hab.de/sz2/editionsrichtlinien; Editionsrichtlinien, in: Peter Burschel / Ronald G. Asch / Arndt Schreiber / Alexander Zirr / Andreas Herz / Antoine Odier (Hg.): Digitale Edition und Kommentierung der Tagebücher des Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599-1656), Wolfenbüttel 2013-2026, PURL: http://diglib.hab.de/edoc/ed000228/id/edoc_ed000228_introduction_transcriptionRules_sm/start.htm.
2 Dies ist für das Projekt ausführlich im begleitenden Blog dokumentiert.
3 Dies betrifft unter den edierten Texten nur Cod. Guelf. 149.14 Extrav., zu dem es noch drei Abschriften gibt. Vgl. für weiterführende Informationen den entsprechenden Einleitungstext.